Robusta – Situation und Auswirkungen

Wir stehen kurz vor dem Pfingsurlaub und es ist an der Zeit, endlich mal über einige Dinge zu berichten, die in den letzten 1,5 Jahren passiert sind. Aber auch solche, die uns aktuell umtreiben. Mit dem Urlaub schließen wir nämlich auch ein Kapitel für uns ab und freuen uns aber auch, eine neue Seite im Röstfreunde-Geschichtsbuch schreiben zu können.

Einige haben die Probleme mit unserer – Ende 2022 ohnehin schon zu spät gelieferten – neuen Röstmaschine mitbekommen. Diese Geschichte wird eine sein, über die wir Euch in den kommenden zwei Wochen ein bisschen berichten werden. Eineinhalb Jahre hat uns das nun beschäftigt. Zunächst aber wollen wir in den Fokus rücken, was uns gerade umtreibt.

Wir lieben Espresso – zweimaliger Sieger des crema Espresso des Jahres spricht Bände – und in vielen unserer beliebtesten Espresso-Röstungen verwenden wir auch Robusta. Mit seinem erhöhten Koffeingehalt bringt er genug “Hallo wach!” in die kleine Tasse, wir lieben ihn aber auch für seinen Körper, seine dominante, kräftige Note und die Bodenständigkeit, die er durch sein Aromenspektrum ergänzt. Brotrinde, Nugat, Tabak – ob “pur” als Orange Cat Espresso oder Enkesha oder eben als Basis in vielen unserer Blends, Robusta ist nicht wegzudenken.

Genau genommen nutzen wir drei unterschiedliche “Sorten”:

  • SLN274/Old Paradenia: von Badra Estates aus Indien, kommt zum Einsatz ausschließlich in Balthasars Wannengold
  • Selection CxR / Parchment: ein gewaschener Bio-Robusta aus Indien
  • Bukoba / natural: ein sonnengetrockneter Bio-Robusta aus Tansania

In unseren Anfangszeiten war die Rohkaffeeversorgung aus vielen Gründen kein großes Problem. Unsere benötigten Mengen waren gering, der Markt und die Nachfrage noch komplett anders. Wer wollte damals schon Bio-Robusta, wenn der konventionelle doch viel günstiger war?

Mit dem Wannengold und dem Espresso des Jahres 2017 haben wir erstmals Kontakt mit dem Thema “Versorgungssicherheit” bekommen. Schließlich haben wir schon immer Wert darauf gelegt, dass wir nicht irgendwelche Kaffees verarbeiten, sondern in unseren Mischungen immer die gleichen Rohkaffees verarbeitet werden und wir Euch diese benennen können. Danke der sehr guten Zusammenarbeit mit amarella Kaffee und deren Kontrakten mit den Produzenten war dies für unser Wannengold immer ganz gut abgesichert.

Mit unserem Wachstum wurde dieses Thema auch für die anderen Blends wichtiger und wir haben das schrittweise ausgebaut. Dennoch wollten wir nicht mit einer Vielzahl an Rohkaffees hantieren und haben uns auf einen Bio-Robusta aus Indien eingeröstet, den wir über Coffee Trading Stehl beziehen. Diesen haben wir seit vielen Jahren als Konstante in all unseren Blends, ob Bio oder nicht. Die Qualität des Kaffees hat uns überzeugt – und Euch auch.
2023 haben wir dann durch einen Zufall einen neuen Bio-Robusta aus Tansania kennenlernen dürfen, der uns auf Anhieb gefallen hat. Im Gegensatz zum indischen ist er nicht gewaschen, sondern sonnengetrocknet und bringt so in unsere Espresso-Landschaft nochmal eine neue Dimension.

Gut standen wir also da. Nun sind wir zu klein und haben auch zu wenig Lagerplatz, um allen Kaffee einer Ernte komplett abzunehmen oder auch nur die von uns geschätzte Menge bei uns einzulagern. Daher schließen wir mit unseren Partnerunternehmen darüber Kontrakte, legen also Preis und Bezugsmenge für einen Zeitraum fest und vertrauen darauf, dass wir Mehrbedarfe dann durch Nachschub decken können. Ging bislang auch immer alles gut.

Nun aber ist die Situation eine andere. Unsere laufenden Kontrakte haben wir ausgeschöpft und dies fällt leider mit einer unglücklichen und bis dato so noch nicht vorgekommenen Situation zusammen.

Ernteeinbrüche in vielen Regionen Indiens, so auch bei der Kooperative, von der unser Robusta hergestellt wird, sorgen für eine extreme Verknappung gerade bei Bio-Robusta. Hinzu kommt, dass die Logistik aus Indien extrem schwierig ist, die Planbarkeit von Containern und Frachtschiffen ist aktuell kaum gegeben. Ergebnis: die Ernte war geringer und kommt zudem nicht aus dem Land. Die Nachfrage steigt darüberhinaus, weil auch Vietnam – Hauptproduzent von Robusta am Weltmarkt – keine nennenswerte Ernte anzubieten hat. Die Käufer an den Spot-Märkten versuchen, Ersatzprodukte zu kaufen, Preise gehen also hoch, und zwar eben nicht nur für indischen Robusta, sondern für den Robusta-Gesamtmarkt. Ungünstig, wenn man gerade ein leeres Lager hat und sich fürs kommende Jahr eindecken will.

Was heißt das für unsere Situation?

  • Wir konnten uns nun über einen ersten Kontrakt für ca. 35-40% der von uns benötigten Menge Bio-Robusta aus Indien für 6 Monate sichern. Auch Tansania konnten wir für 12 Monate sichern, dort ca. 80% der benötigen Menge. Das jedoch wird nicht reichen, wir sind damit in einer Unterdeckung auf unseren Gesamtbedarf bezogen.
  • Der neue Rohkaffeepreis für diese Kaffees liegt bei ca. 1,50-2,50€/kg über unserem bisherigen langfristigen Mittel. Ein paar Schwankungen von Jahr zu Jahr sind normal, diese konnten wir bislang aber immer im Schnitt unserer Gesamtproduktion abfedern. Das ist nun leider nicht mehr der Fall. Wir kommen daher um eine Preissteigerung, anteilig gemessen an der Verwendung des Robustas in den Blends, nicht herum. Falls sich die Situation normalisieren sollte, gehen wir wieder zurück. Innerhalb von 12 Monaten ist damit aber nicht zu rechnen.
  • Um Sicherheit in der Versorgung haben zu können und damit die Unterdeckung auszugleichen, sind wir auf die Suche nach einem neuen Robusta gegangen und dabei in Brasilien fündig geworden. Es handelt sich nicht um Bio-Robusta, sondern um einen konventionell produzierten Conilon, wie der Robusta in Brasilien auch bezeichnet wird. Nur ca. 3% der in der Region Espirito Santo produzierten 750.000 Sack sind Spezialitäten-Robusta. Wir haben nun mal 6 Sack probeweise gekauft, diese sind zwischenzeitlich angekommen und wir rösten die ersten Kaffees damit. Was wir bisher geschmeckt haben, gefällt uns und wir gehen aktuell davon aus, dass wir diesen langfristig einsetzen und auch das über einen Kontrakt absichern. Dadurch kann der uns erstmal zur Verfügung stehende Bio-Robusta zielgerichtet eingesetzt werden, wir verbreitern unsere Basis und senken Abhängigkeiten. Preislich sortiert es sich aber auch nur knapp unter den Bio-Robustas ein. Es gibt hier kaum noch Preisunterschiede. Bei der Qualität und Sauberkeit der  Sortierung ist das aber nicht weiter überraschend.
  • Bis zur KW23 (je nachdem, wann unsere Lieferung aus Indien dann kommt), müssen wir für unsere beiden Bio-Blends Little Italy und #5b unseren Tansania-Bio Robusta verwenden, von dem wir noch aus unserem letzten Kontrakt eine Restmenge vorrätig haben. Danach wechseln wir auf Indien zurück. Der Little Italy entstand ursprünglich mal während Corona mit Bio-Robusta aus Mexico, weil es da auch keinen aus Indien gab, hatte dann mal Tansania drin, weil die Qualität aus Mexico nicht mehr gut war und war dann stabil auf Indien aufgebaut. Der kann das ab, hat die nächsten Woche ein paar mehr helle Bohnen aufgrund der sonnengetrockneten Aufbereitung des Tansania-Kaffees, aber schmeckt recht ähnlich, ein bissl intensiver.
  • Orange Cat Espresso gibts bis zur Neulieferung aus Indien damit leider keinen, alternativ können wir den Enkesha empfehlen (100% Bio-Robusta, aus Tansania). Vielleicht legen wir auch den Conilon mal als Röstung auf.
  • Für alle nicht als bio-Kaffee ausgezeichneten Blends, in denen wir bislang trotzdem in Anteilen bio-Robusta verwendet haben, setzen wir bei Erfolg künftig auf den Robusta aus Brasilien. Das betrifft #2, #3 und #5. Wir müssen uns in den Profilen leicht eingrooven, das Profil des Brasilianers liegt mit Nuss, tropischen Früchten und Nougat aber da, wo ihn diese Blends brauchen. Die ersten Röstungen der #3 damit waren ziemlich grandios.
  • Keine Auswirkungen in der Zusammensetzung gibt es beim Rhiner Espresso (bio), da war schon immer Tansania drin. Keine Änderung der Zusammensetzung auch beim Wannengold. Preislich müssen wir hier aber auch Korrekturen vornehmen.

Preislich wird das ganze auch Auswirkungen haben und gestaltet sich wie folgt:

Kaffee  Alt/ kg Neu / kg Alt / 250gr Neu / 250gr
#2 22,50 EUR 24 EUR 6 EUR 6,40 EUR
#3 26 EUR 27 EUR 6,90 EUR 7,30 EUR
#5 26 EUR 26,80 EUR 7 EUR 7,20 EUR
#5b 27,90 EUR 28,80 EUR 7,20 EUR 7,60 EUR
Little Italy 28,50 EUR 29,50 EUR 7,50 EUR 7,90 EUR
Balthasars Wannengold 29 EUR 29,80 EUR 7,60 EUR 8 EUR
O.C.E. 27 EUR 28,40 EUR 6,80 EUR 7,40 EUR
Enkesha 27,50 EUR 28 EUR 7,20 EUR 7,50 EUR
Rhiner Espresso 29 EUR 29,50 EUR 7,50 EUR 7,90 EUR

Die Umlage geht nicht 1:1 nach enthaltener Menge des jeweiligen Rohkaffees, wir nehmen auch einige anderen Faktoren aus der Produktion, den Gesamtmengen und unseren Produktvorstellungen mit in die Betrachtung ein. Dabei federn auch wir einen Teil der Kosten ab. Der Blend #2 müsste z.B. deutlich teurer sein. Wir hatten aber immer das Ziel, einen vergleichsweise günstigen, zugänglichen und breit nutzbaren Blend im Sortiment zu haben. Das ermöglichen wir damit weiterhin.

In die Umsetzung bringen wir das ganze step by step:

  • Bei Little Italy und #5b belassen wir die Darstellung der Komposition, weisen aber auf die aktuelle Abweichung hin. Hier kehren wir wieder zum Bio-Robusta aus Indien zurück.
  • Die von uns bereits gedruckten Etiketten verwenden wir weiter. Diese zu vernichten, geht nicht mit unserem Nachhaltigkeitsanspruch einher. Wir passen unsere Vorlagen an, so dass hier bald die Umstellung vollzogen ist.
  • Auf der Webseite hinterlegen wir zeitnah die neuen Informationen.
  • Die Anpassung der Preise erfolgt schrittweise.